Prof. Dr. Günter Rohrmoser „Deutschlands Tragödie“
Herausgeber: Dr. Michael Grimminger
Verlag OLZOG GmbH München, 2002-09-16
ISBN 3-7892-8074-7




Rezension

Das Buch setzt dem deutschen Volk nach der nationalistischen Katastrophe und dem Scheitern des realen Sozialismus Hoffnungszeichen, deren Ursprung weder im menschlichen Wesen noch im Fortschrittsglauben gründet.
Die ausführliche Stimmungsanalyse, besonders der ersten Jahrzehnte des 20 Jahrhunderts, offenbart dem Leser aus den Einsichten der damals maßgeblichen Philosophen den wirkenden Zeitgeist.
Der Autor sieht in den Materialschlachten des Ersten Weltkrieges nicht nur den Beweis entschwundener christlicher Meinungsführerschaft, sondern auch das Ende des Zeitalters der Aufklärung.
Sehr interessant sind die Ausführungen zu den beiden rivalisierenden Ideologien des Faschismus und des Kommunismus in ihrem Bemühen, den Werteverfall des Nihilismus zu überwinden.

Das Scheitern sowohl der konservativen, als auch der progressiven Richtung wird nicht das letzte Aufbegehren sein. Inzwischen sind multikulturelle und gentechnologische Projekte für neue opferreiche Großversuche in Vorbereitung.
Die vielschichtige Spiegelung der philosophischen Erwägungen bringt jedoch immer deutlicher die vorfindliche menschliche Natur als Störfaktor einer harmonisierten Welt ins
Blickfeld.
Das ist um so erstaunlicher, weil sich die zitierten großen Denker der Neuzeit seit Nietzsche
konsequent vom Christentum, als geschichtlich relevante Größe, verabschiedet haben.
Die Überwindung der bedrohlichen Dekadenz unseres Volkes erscheint vor solchem Hintergrund weit weniger von der Macht des Willens, als von der Demut vor dem Schöpfer unserer Welt abhängig.

Wem von Amts wegen geistige Führerschaft anvertraut wurde oder wer diese anstrebt, sollte
sich dieser gewiß nicht leichten Lektüre widmen. Vielleicht erkennt er in „dem Stein, den die Bauleute verworfen haben“ (Matth. 21.42) den heilsamen Schlußstein der Geschichte.

Herrn Prof. Dr. Günter Rohrmoser und Herrn Dr. Michael Grimminger gebührt Dank und Anerkennung für diesen Exkurs in die jüngste Geistesgeschichte unseres Volkes.



Leipzig, den 22.08.2002

Hartmut Nischik
(stellv. Vors. DIE WENDE e. V.)