Auf ihrer Jahrestagung konstituierte sich die Aktion DIE WENDE als Verein, um nach dem Tode ihres Gründers, Bruno Weinmann, in dessen Sinne weiterarbeiten zu können. Sitz und Geschäftsstelle wurden nach Wendelstein verlegt.

Der neue Vorsitzende des Vereins, der Historiker und Germanist Jörg Birnbacher, zeigte in einem Geschichtsüberblick die Bestrebungen auf, ein einheitliches christliches Abendland zu gestalten. Dabei hätte sich ein Gegensatz zwischen kirchlicher und weltlicher Macht herausgebildet. Mißstände in Staat und Kirche hätten immer wieder Reformbestrebungen hervorgerufen. Bis in die Neuzeit hätten sich Christen eingebracht, um gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu beheben. Deshalb dürfe eine Geschichtsbetrachtung nicht nostalgisch sein, sondern müsse eine Zukunftsaufgabe ins Bewußtsein rufen. Aufgabe der WENDE sei es, christlichen Grundwerten in unserer Zeit Geltung zu verschaffen. Dabei dürfe die Geschichte Deutschlands nicht auf die 12 Jahre Nationalsozialismus reduziert werden, wie eine bestimmte Meinungsmache uns einzureden versuche. Nach der Buße für begangenes Unrecht müsse über die Vergebung die Chance zum Neuanfang ergriffen werden.
Der Verfassungsrechtler, Professor Dr. Konrad Löw, Bayreuth, zeigte sich besorgt über den Mentalitätswandel des Grundgesetzes. Die Bindung des Grundgesetzes an das Sittengesetz, wodurch eine positivistische Rechtswillkür verhindert werden sollte, werde in der neueren Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts immer mehr zurückgedrängt zu Gunsten einer freien Selbstbestimmung. Christliche Grundwerte und der persönliche Ehrenschutz wären beispielsweise durch das Kruzifix-Urteil und das “Soldaten-Mörder-Urteil“ des BVG beschädigt worden. Bedenklich sei auch eine zu große Richtermacht bei abnehmender richterlicher Qualität.

Ähnliche Befürchtungen über die Rechtsentwicklung in Deutschland äußerte der Theologie- und Ethikprofessor D. Dr. Thomas Schirrmacher, Bonn. In der Abtreibungsfrage hätte das Bundesverfassungsgericht zwar entschieden, daß Abtreibung Tötung von Menschen sei, gleichzeitig aber Straffreiheit verfügt und die Gegner der Abtreibung mit Strafe bedroht, wenn sie eine Abtreibung verhindern wollten. In einer solch sinnwidrigen Konstruktion sieht Professor Schirrmacher eine Zerstörung des allgemeinen Rechtsbewußtseins. Er wies auf die Bedrohung des menschlichen Lebens hin, die von der Bioethik-Konvention und von der Euthanasiepraxis in den Niederlanden ausgehe. Die Demokratie in Deutschland werde zur reinen Spielregel ohne geistige Inhalte. Der ethische Grundkonsens sei durch die Entchristlichung verlorengegangen.

Die Referate von Professor Löw und Professor Schirrmacher zeigten klar, daß blindes Vertrauen in Institutionen fehl am Platz ist, und daß in einem demokratischen Staatswesen Wachsamkeit und das Eintreten für Grundwerte gefordert sind.

Auch der Theologe Eugen van Laak und der Historiker K.-J. Müller forderten den Einsatz der Christen für Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. Die Demokratie sei kein „Perpetuum mobile“. Gewarnt wurde vor Bestrebungen der Enquetekommission, die Religionsfreiheit einzuschränken.

In einer Gedenkstunde gedachte die Versammlung des verstorbenen Gründers der WENDE, Bruno Weinmann, der mit großem persönlichen Einsatz und mit Opferbereitschaft an seiner Vision von einer humanen, aus christlichem Geist geprägten Zukunft Deutschlands gearbeitet hat.

gez. Gerhard Synowzik