Resümee der Jahrestagung des Vereins DIE WENDE vom 4.-6. Mai 2001 im „Huberhaus“ Wernigerode



Mitgliederversammlung

Die zur Zeit 17 Vereinsmitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet nutzten auch dieses Jahr die Gelegenheit im Vorspann der Tagung die Vereinsregularien zu erledigen. Nach Geschäfts- und Kassenbericht sowie Kassenprüfungsbericht wurde dem Vorstand für das Geschäftsjahr 2000 Entlastung erteilt.
Seine bescheidene Finanzdecke gestattet dem Verein, die Aktivitäten mit einer Jahrestagung, gelegentlichen Regionalveranstaltungen und dem Schriftenversand weiterzuführen. Bis auf den festangestellten Geschäftsführer wird auch künftig alle Vereinsarbeit im Ehrenamt geleistet. Im Sinne einer planbaren Geschäftsführung und der angestrebten Verbesserung der Öffentlichkeitswirkung wird dringend um Erweiterung des Sponsorenkreises und regelmäßige Geldüberweisung gebeten.

Die Mitgliederversammlung 2002 ist im Zusammenhang mit der Jahrestagung 2002 für den 5.-7. April im Haus „Lutherrose“, 91564 Neuendettelsau geplant.



Jahrestagung

Das Huberhaus mit seinem Personal bot den 55 Dauerteilnehmern und Tagesgästen aus der Region ideale Bedingungen für Vorträge, Diskussionen, Gedankenaustausch und Entspannung. Das reichhaltige Schriftenangebot des Vereins - übersichtlich präsentiert - half den Teilnehmern Denkanstöße und Argumentationshilfen im Sinne der notwendigen geistigen Wende mit nach Hause zu nehmen.

Die Grußworte des Oberbürgermeisters der Stadt, Herrn Ludwig Hoffmann, des katholischen Dechanten, Pater Petrus Henke und - in Vertretung der CDU-Abgeordneten des Wahlkreises - Herrn Gerhard Schulz, MdB, waren eine Ermutigung die angestrebte Erneuerung Deutschlands aus seinen christlichen Wurzeln beherzt und hoffnungsweckend anzugehen, Gespräch und Gedankenaustausch nicht nur Ost-West sondern auch Nord-Süd gerichtet zu führen, den Sinn menschlichen Daseins über den Begriff der Arbeit hinaus zu definieren und eine geistige Wende in Deutschland und Europa Hoffnung als Wert gegen Radikalismus zu setzen:

„Wird der Zeitgeist gemacht? – Versuch einer Analyse“
Vortrag Adolf Künneth, Ltd. Regierungsdirektor

Das Phänomen des Zeitgeistes in der Geschichte äußert sich in einer Mischung aus wissenschaftlicher Höchst- und moralischer Minderleistung, vereint mit einem Machbarkeitswahn im Lebensgefühl der Mehrheit, vergleichbar der Paulusinterpretation aus Römer 1.
Der gegenwärtige Zeitgeist hat drei miteinander korrespondierende Ursachen:Die Ereignisse der Reformation, der Aufklärung und die Wissensexplosion.Die Reglementierung der Meinungsfreiheit durch Schlag- und Signalworte aufgrund eines Wunschbildes vom Menschen.Die bewußte Einflußnahme von Personen (z.B. S. Freud, K. Marx, K. Barth, R. Bultmann, M. Jepsen) um ideologische Fortschrittsträume zu verwirklichen. Noelle-Neumann: „Was sie heute in den Köpfen der Menschen finden, ist oft gar nicht die Realität, sondern eine von den Medien konstruierte, hergestellte Wirklichkeit.“Der Zeitgeist polarisiert, setzt sich absolut und duldet keine Antipoden.
Er benutzt drei Methoden um Fremdgeister zur Räson zu rufen:Das Prinzip der „political correctness“ mit seinen Tabus und seiner Deutungshoheit geschichtlicher Ereignisse.Den Medienkampf gegen das Christentum, Bevorzugung blasphemischer Darstellungen und Unterdrückung christlichen Selbstzeugnisses.Unterschlagung von Informationen über Christenverfolgungen wie z.B. im Sudan. Konsequenzen durch völkerrechtliche Sanktionen werden ausgeschlossen.Der Zeitgeist ist ein Lügengeist:Die Gleichheitsideologie (franz. Egalité) ignoriert die Ungleichheit menschlicher Persönlichkeiten.
„Nicht jedem das Gleiche, sondern jedem das Seine“Der Feminismus – die Frau als Heilsbringerin – strebt über die Gleichstellung der Geschlechter hinaus zur Vorherrschaft in der Gesellschaft und in der Theologie zu alternativen Erlösungsreligionen.Die Folge ist Geschlechterkampf und Rückfall ins Heidentum.Die Multikultur als Friedensordnung hat sich bereits in zahlreichen Vielvölkerstaaten als Illusion erwiesen.Die Autonomie des Menschen in der Wahl seines Gottes hat zu Irritationen im Selbstverständnis, zu Selbstverwirklichungsprojekten, geistiger Heimatlosigkeit und Auflösung des Wertekonsens durch die 68er Kulturrevolution geführt.Die Theologie vom „lieben Gott“ entblößt vom Gesetz Gottes Zorn und Gericht, förderte die Wohlfühl- und Spaßkirche. Sie vermag angesichts weltweiter Leidens- und Schuldverstrickungen weder Hoffnung, Entlastung oder gar Rechtfertigung zu vermitteln.



"Machen Medien Politik?"

Vortrag von Holger Doetsch, Journalist und freier Dozent für Öffentlichkeitsarbeit
– in Vertretung des erkrankten Prof. Dr. Otto Altendorfer – er wurde uns von ihm kurzfristig empfohlen.

Medien und Politik

Die Menschen beider Berufsgruppen sind aufeinander angewiesen. Politiker suchen die Partnerschaft um ihren Bekanntheitsgrad für Wahlen zu erhöhen und ihre politische Arbeit der Bevölkerung darzustellen, während Medienleute ihre Beziehung zu den maßgeblichen Politikern benötigen, um aktuelle Informationen zeitnah – früher als die Konkurrenz – zu veröffentlichen.
Da liegt es nahe, daß persönliche Bekanntschaft und Sympathie zu beiderseitigem Vorteil gepflegt werden. Politlieblinge dominieren in der medialen Welt, während die eigentlichen „Könner“ der politischen Arbeit kaum bekannt werden. Warum sonst steigt Westerwelle in den Container?
Das Berufsethos eines Journalisten erfordert, sich mit keiner Gruppe gemein zu machen, dennoch ist ein gewisser Hang zum „Parteibuch-Journalismus“ mit Michel Friedmanns Arroganz und SPD-Verlagsmehrheiten zu beobachten.
Medienkontrolleure die nach außen Staatsferne demonstrieren, aber nach innen Parteitreue üben, richten da nichts aus.

Macht korrumpiert

Jawohl, die Medien machen Politik, auf Grund der Macht, die ihnen angedient wird.
Politiker sind auf sie angewiesen, um ihrerseits an der Macht zu bleiben. Die Bevölkerung erwartet von den Medien aufregende Neuigkeiten und stark vereinfachte Darstellung der komplexen Geschehnisse, um sich informiert zu fühlen. Dabei gibt der Durchschnittsbürger dem Bild den Vorzug vor gesprochenem und erst recht geschriebenem Wort, um der Informationsflut Herr zu werden.
Die Macht der Bildberichte beförderte zum Beispiel die 68er Studentenrevolten zur Kulturrevolution mit ihren gesellschaftsverändernden Wirkungen.
Gezielte Kameraführung und redaktionell gekürzte Beiträge vermögen reale Ereignisse in eine Pseudowirklichkeit umzustricken. Das hat wenig gemein mit dem Anspruch objektiver Berichterstattung. Der Medienkonsument aber schwört Stein und Bein, „es mit eigenen Augen gesehen“ zu haben.
Die vom Gesetz garantierte Pressefreiheit kann nur dann dem Gemeinwohl dienen (Wächteramt), wenn Politik und Medien weder der Machtbesessenheit noch der Machtvergessenheit verfallen.

Medien im allgemeinen Werteverfall

Politiker werden unter Eid genommen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Pflichtbewußte Journalisten werden auch ohne Eid, durch rasche und möglichst objektive Berichterstattung zur Bildung öffentlicher Meinung beitragen. Was kann aber eine 15-Sekunden Sendezeit an Meinungsäußerung ermöglichen? Wie soll ein Medium einem quirligen Zeitgenossen in wenigen Sätzen z.B. ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes interpretieren.
Es sagt viel über unsere Gesellschaft aus, wenn Nachricht und Kommentar vermischt werden, mit falschen Bildern Konsumzwang ausgeübt wird, der Umsatz und die Werbekunden Bild und Inhalt der Medien prägen. Woher sollen korrekte Akteure für Medien und Politik kommen, wenn das allgemeine Wertebewusstsein verdampft?

Stichworte aus der lebhaften Diskussion.

Die repräsentative Demokratie ist unter der Medienmacht nicht mehr erkennbar. Totschweige und Totschlagjournalismus.
Dem Zeitgeist durch eigene Öffentlichkeitsarbeit begegnen. Mut zur öffentlichen Präsenz christlicher Vereinigungen. Dem Zeitgeist in Vollmacht des Heiligen Geistes entgegentreten.
Was tun, wenn die Medien die kalte Schulter zeigen?
Guter Rat des Referenten:laden Sie die Medien immer wieder herzlich einbei Nichterscheinen, telefonische Nachfragevorbereitete Presseerklärung anbietenbei Ablehnung Chefredakteur besuchen.



Liederabend mit Pastor Jörg Swoboda

Es konnte keine bessere Vertiefung und Abrundung des in Referaten und Diskussion Bedachten geben. Swobodas Liedertexte spiegeln wieder, was Menschen tief innen verarbeiten, ersehnen, hoffen und glauben. Souverän und diskret verstand es der Sänger, Strahlen der Hoffnung einzustreuen, um sie dann und wann auf den gekreuzigten Christus zu bündeln.
Er führte die lauschende, zum Teil mitsingende Versammlung mit warmer Stimme über die Abgründe persönlicher und gesellschaftlicher Schuldverstrickung zur einzigen Adresse vollkommener Befriedung, ohne die eine geistige Wende illusorisch ist.



Leipzig, 7. Juli 2001

gez. Hartmut Nischik