Resümee der Jahrestagung 2002 in Neuen

Die Jahrestagung der WENDE fand in Neuendettelsau / Franken am 07. April 2002 statt. Thema der Tagung war das Verhältnis zwischen Demokratie und Christen bzw. Christentum. Ein Grußwort sprach der Leiters des Hauses, Herr Huber. Die beiden Hauptreferenten, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Recht der CDU / CSU - Bundestagsfraktion, Norbert Geis (Aschaffenburg), und der Politologe Prof. Dr. Klaus Motschmann (Berlin), machten deutlich, daß eine Gesellschaft, die sich von ihren christlichen Wurzeln verabschiedet, für totalitäre Heilslehren anfällig wird.

Norbert Geis berichtete den Teilnehmern, daß entscheidende Bindekräfte eines Volkes wirksam sind: 1) seine Geschichte, 2) seine in einem historischen Zeitraum entstandene Kultur, 3) seine Rechtsstrukturen und 4) die daraus resultierenden Maßstäbe zur Fixierung von Normen der Verfassung. Die auf Grundwahrheiten resultierenden Bindekräfte würden aber nicht von Staats wegen entschieden, sondern müßten sich aus dem Volk heraus konstituieren. Hierbei gehe es nicht ohne Rückbindung auf die christlichen Fundamente, was auch der Widerstand unter dem nationalsozialistischen Regime klar erkannt habe. Die Gründung des demokratischen deutschen Staates im Westen sei nicht aus dem Nichts erfolgt, sondern habe aus dem Leiden und der Erfahrung des Widerstandes geschöpft ("In der Verantwortung vor Gott" / Präambel GG). Deshalb sei Westdeutschland nach dem Krieg so schnell wiederaufgebaut worden.
Diese christlichen Grundwahrheiten, auf denen unser Staat gegründet wurde, seien dann von den 68ern in Zweifel gezogen und schließlich zerstört worden (Familie, Ehe, übertriebener Individualismus, Abtreibung, usw.).

Prof. Dr. Klaus Motschmann betrachtete die Situation der Demokratie mehr theologisch. Wenn der Mensch seine Sünde und die Mitte, die Gott ist, nicht erkenne, dann stelle er den Menschen selbst in die Mitte und würde anfällig für totalitäre Heilslehren. Die Totalitarismen Nationalsozialismus, Kommunismus und Sozialismus beanspruchten alle drei, den Menschen aus seinem Elend zu erlösen. Sie treten quasi an die Stelle Gottes und versuchten das Totale politisch ins Werk zu setzen. Bereits in Rousseaus Gesellschaftsvertrag sei das Totale der modernen Ideologien deutlich geworden. Der einzelne solle in der Masse aufgehen, um die höchste Freiheit zu erlangen, wenn nicht, würde er liquidiert.
Der Sozialismus und der Kommunismus forderten die Zerstörung der Ordnung, deren Neuaufbau dann in einer multikulturellen Gesellschaft enden solle. Die evangelische Kirche und prominente Theologen betätigten sich hierbei als Wortführer. Zur Legitimation dieses Zieles würden Bibelzitate aus dem Zusammenhang genommen, wenn nicht einfach erfunden. Als Beispiel nannte er: "Du sollst den Fremden lieben wie dich selbst“, was eigentlich heißen muß: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt. 19,19). Ferner sei eine Diskurskultur, wie sie im Augenblick bestehe, nicht mehr zu halten. Der Diskurs könne nur von der Wahrheit (Christus) her geführt werden, aber nicht zur Wahrheit hin.

Aus den Reihen der Teilnehmer kam die Empfehlung, den 3. Oktober als Tag der Einheit unter Teilnahme von Parteien, Kirchen und Verbänden in städtischer oder örtlicher Verantwortung mit einem Festgottesdienst zu begehen. Inhalt: Dank für Gottes Führung bei der deutschen Wiedervereinigung mit der ausdrücklichen Bitte um innere Einheit.

Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl wies der Vorsitzende der "Wende", Jörg Birnbacher (Wendelstein / Nürnberg), die Teilnehmer der Jahrestagung des Vereins darauf hin, daß Christen eine besondere Verantwortung für die Gesellschaft haben, in der sie leben.
Neben dem vielfach praktizierten Gebet für Politiker ist es auch notwendig, sich selbst aktiv für den Erhalt der demokratischen Ordnung einzusetzen. Es darf in diesem Zusammenhang laut Birnbacher nicht vergessen werden, daß Deutschland eine ziemlich lange Zeit in relativem Frieden hat leben dürfen. Die Ursache dafür liegt in der Verantwortung des Staates vor Gott (Präambel GG) und in den Erfahrungen mit den Totalitarismen (Nationalsozialismus und Kommunismus / Sozialismus).

Zum Ausklang des Tages bot die Künstlerin Isgard Peter eine musikalisch untermalte Bildmeditation - eine Gelegenheit für alle Teilnehmer zum Entspannen und Nachdenken. Die ca. 70 Teilnehmer der Tagung hatten anschließend Zeit für Diskussionen, die von einigen sogar bis tief in die Nacht hinein genutzt wurde. Zum gemeinsamen Gottesdienst, diesmal in der katholischen Kirche am Ort, waren am Sonntag Morgen alle Teilnehmer eingeladen, bevor die Tagung mit einem gemeinsamen Mittagessen abgeschlossen wurde.

Herzliche Grüße, Sascha Mück.