Die Zehn Gebote - Gottes Wegweisung in unserer Zei

Eine Orientierungshilfe der Konferenz Bekennender Gemeinschaften
in den evangelischen Kirchen Deutschlands
Unsere ethische Krise und Gottes GeboteUnsere postmoderne Geschichtsepoche ist gekennzeichnet durch eine tiefgehende geistige Verunsicherung und Auflösung sittlicher Normen. Die Abkehr unserer abendländischen Völker vom christlichen Glauben hat zu fatalen ethischen Dammbrüchen geführt. Auch staatlich eingesetzte „Ethik-Kommissionen“ können sie nicht aufhalten. Vergeblich suchen Menschen nach Halt und verläßlichen Maßstäben unter verschiedenen weltanschaulichen Angeboten. Mitten hinein in diese Grundlagenkrise unserer Gesellschaft spricht der lebendige Gott als Schöpfer, Erhalter und Erlöser der Menschheit. Alle, die Ihm vertrauen, finden bei Ihm sichere Orientierung für ihr Leben.
Gottes biblische Selbstoffenbarung bietet sie untrüglich in den Zehn Geboten. In diesen hat Er ursprünglich dem dazu auserwählten Volk Israel und seither – durch die Weltmission – allen Völkern Seinen heiligen Willen zu erkennen gegeben. Die Gebote sind ein zuverlässiger Prüfstein der Gewissenserforschung und werden einst Kriterien im Endgericht über alle Menschen bilden (Römer 2, 6).
Jesus Christus hat die Unumstößlichkeit dieses göttlichen Lebensgesetzes bestätigt (Matthäus 5, 17-28) und dessen tiefsten Sinn durch Seine Lehre und Sein Vorbild erschlossen (Matthäus 22,36-40).
Für Christen gelten die Zehn Gebote als verbindliche Richtschnur. Darüber hinaus bilden sie die Grundlage für alles menschliche Zusammenleben, indem sie anknüpfen an das jedem Menschen ins Herz geschriebene Wissen um Gut und Böse (Römer 2, 14f.).
Um die Gültigkeit der Gebote Gottes tobt heute ein harter Kampf. In ihm geht es ganz real um Leben und Tod, um Wohlergehen und wahres Glück der Menschen. Das betrifft alle Zehn Gebote, besonders das grundlegende Erste so wie das Vierte bis Sechste: Gegen das Erste Gebot richtet sich die Gleichsetzung aller Religionen, die heute vielfach unter dem Vorwand der „Toleranz“ gefordert wird. Die antiautoritäre Revolution will das Vierte, die sexuelle das Sechste Gebot abschaffen. Dem mit der Legalisierung der Abtreibung bereits erfolgten Angriff auch auf das Fünfte Gebot drohen weitere Aushöhlungen. Sie geschehen durch die biotechnische Manipulation mit menschlichen Embryonen sowie die von vielen geforderte Freigabe der „Euthanasie“ in Form „aktiver Sterbehilfe“. Um Gottes und der Menschen willen ist es heute dringend not-wendig, gerade diesen Geboten besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Da die Zehn Gebote weithin in Vergessenheit geraten sind oder ihnen sogar offen widersprochen wird, möchten wir sie zunächst in ihrer biblischen Urgestalt in Erinnerung bringen und dann - anhand ihres pädagogisch vereinfachten Wortlautes nach dem Kleinen Katechismus Martin Luthers - ihre Bedeutsamkeit für die brennenden ethischen Fragestellungen der Gegenwart aktualisieren.


Die Gebote Gottes nach 2. Mose 20, 1-17 (vgl. 5. Mose 5, 6-21)
(zitiert nach der Übersetzung Martin Luthers)
Und Gott redete alle diese Worte:
Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.
Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.
Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist:
Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen,
aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.
Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht ehebrechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.


Die Bedeutung der Gebote für die Gegenwart

Vorbemerkung
In unserer Auslegung der Zehn Gebote folgen wir deren Zählung bei Martin Luther, die einer schon vorreformatorischen lateinischen Tradition entspricht. Hier sind das erste und zweite Gebot zu einem zusammengefaßt, während das letzte in das neunte und zehnte Gebot zerlegt wird.
Eine andere Zähltradition ist die in der Orthodoxen Kirche übliche und dann von Zwingli und Calvin übernommene, welche die biblische Gliederung mit der Eigenständigkeit des Bilderverbots beibehält. Dadurch verschiebt sich hier die Aufzählung vom zweiten bis zum neunten. Gebot um jeweils eine Ziffer nach oben.


Das Erste Gebot

Ich bin der HERR, dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir.
Gott ist der HERR. Er ist der eine Gott, der sich im Alten Testament als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und im Neuen Testament als der Vater Jesu Christi geoffenbart hat. Seine Einzigartigkeit erweist sich in Seiner grundlegenden Tat der Errettung aus der uns Menschen knechtenden Macht des Bösen.
Daraus folgt :
Der Dreieinige Gott begegnet uns als persönliches Gegenüber und nicht als blasse Idee. Weil Er sich selbst als lebendige Person in Seiner Allmacht, Heiligkeit und Liebe kundgetan hat, dürfen Menschen nicht eigene Phantasien an Seine Stelle setzen. Ebenso wenig dürfen Götterwesen anderer Religionen mit Ihm in eins gesetzt werden oder ergänzend zu Ihm verehrt werden.
Ein multireligiöses Einerlei nach dem Motto „Wir glauben doch letztlich alle an den gleichen Gott“ ist damit ausgeschlossen.


Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis [von Gott] machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. (Nach anderer Zähltradition 2. Gebot)
Gott der HERR läßt nicht über sich verfügen; Er steht seiner Schöpfung erhaben gegenüber (2. Mose 33,20). Doch begegnen wir Ihm lebensnah persönlich im Hören auf Sein Wort in der Heiligen Schrift, und anschaulich in Jesus Christus, Seinem menschgewordenen ewigen Sohn. Er ist das wahre Abbild Gottes, in dem Er sich Seinem ganzen Wesen nach erkennbar verleiblicht hat (Kolosser 2, 9).
Daraus folgt:
Menschliche Gottesvorstellungen dürfen nicht an die Stelle Seiner Selbstoffenbarung treten: Sie verkennen den Schöpfer des Himmels und der Erde und bleiben so im Bereich des Diesseitigen und Mythischen. Darum darf Gott auch nicht mit der Natur oder dem Wesen des Menschen in eins gesetzt werden.


Das Zweite Gebot

(Nach anderer Zähltradition 3. Gebot)
Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht unnützlich führen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.
Gottes HERR-Sein zeigt sich in Seinem unverwechselbaren Namen, in dem Er uns als persönliches Gegenüber anredet. Der Gebrauch Seines Namens erfordert Achtung und Ehrfurcht - in dem Wissen, daß auch wir einen Namen und eine bleibende Würde haben, so, wie Gott uns in Jesus Christus mit unserem Namen ruft.
Ein gedankenloses Nennen des Gottesnamens oder gar sein Mißbrauch für eigene Zwecke, seine Verspottung in „Kunstwerken“, in den Medien und in der Werbung beleidigt Gott ebenso wie liturgische Experimente mit fremdreligiösen Einschlägen. Sie entehren auch den zu Gottes Ebenbild erschaffenen Menschen. Gott wird den Ehrfurchtslosen zur Verantwortung ziehen.


Das Dritte Gebot

(nach anderer Zähltradition 4. Gebot)
Du sollst den Feiertag heiligen.
Gott ist der Herr der Zeit, und alle unsere Zeit verdanken wir ihm. Der wöchentliche Ruhetag gehört Ihm in besonderer Weise, seit Er ihn am Anfang segnete (1. Mose 2,2f). Christen feiern den Sonntag, den 1. Tag der Woche, im Gottesdienst in Erinnerung an die Auferstehung Jesu und in der Hoffnung auf Seine Wiederkunft bei der Vollendung der Zeit.
Daraus folgt:
Der von Gott eingerichtete Ruhetag ist in Anspruch zu nehmen als der gegebene Zeitraum für den Gottesdienst, als Freistellung von den Zwängen der Arbeit, des Leistungsdrucks und des Profits. Auch gegenüber technischen Zwängen sowie modernen Freizeit- und Spaßgesellschaften, die in Gefahr stehen, sich in oberflächlichem Trubel zu verlieren, muß der Sonn- und Feiertag als Chance zur Besinnung auf das Wesentliche gewahrt und geschützt werden. Wer dem Gebot entsprechend wirklich sechs Tage arbeitet, braucht zum Hören auf Gott und zur Erholung den Sonntag.


Das Vierte Gebot

(nach anderer Zähltradition 5. Gebot)
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir’s wohl gehe und du lange lebest auf Erden.
Gott ist der Herr der Geschichte und der Generationen. Er hat Eltern und anderen Verantwortlichen an seiner Statt Autorität verliehen, mit der sie ihrerseits unter Ihm stehen. Diese dient dem Wachstum, der Vermittlung wahrer Werte und der geordneten Entfaltung von Leben. Weil echte Autorität lebensnotwendig ist für den Einzelnen und die Gemeinschaft, hat Gott den diesem Gebot Gehorsamen die Verheißung dauerhafter irdischer Existenz gegeben (Epheser 6, 1-3).
Daraus folgt:
Von Gott verliehene Autorität erfordert eine ihr entsprechende achtungsvolle Unterordnung; verstehende Elternliebe wird sie erleichtern (Kolosser 3,20f). Erziehung geschieht im Auftrag Gottes und auf Ihn hin; bezweckt sie hingegen eine grundsätzliche Auflehnung gegen alle Normen zugunsten ungehemmter Selbstentfaltung, dann richtet sie sich letztlich gegen Ihn und auch unser wahres Selbst.
Das Vierte Gebot erinnert die jeweils junge Generation daran, daß sie nicht Maß aller Dinge ist. Sie steht vielmehr in einem Zusammenhang der Generationen, dem sie vieles verdankt und aus dem ihr konkrete Aufgaben erwachsen.
Älteren Menschen, auch geistig hinfälligen, gebührt Achtung und Fürsorge. Der Respektlosigkeit und einem Kult der Jugendlichkeit mit vermeintlich unerschöpflicher Kraft, Schönheit und Gesundheit tritt Gottes Gebot entschieden entgegen.


Das Fünfte Gebot

(nach anderer Zähltradition 6. Gebot)
Du sollst nicht töten.
Gott ist der Herr des Lebens. Weil er den Menschen zu seinem Ebenbild mit einer unsterblichen Geistseele (Matthäus 10, 28) erschaffen hat, besteht dessen Würde und Lebensrecht nicht in der Reife seines Bewußtseins oder der Vollkommenheit seiner leib-seelischen Gesundheit, sondern in seinem unaufhebbaren Gottesbezug, der schon bei der Empfängnis eintritt (Jesaja 44, 24; Jeremia 1, 4; Lukas 2, 21). Gott allein besitzt das Verfügungsrecht über Beginn und Ende des Lebens jedes Menschen.
Daraus folgt:
Das Verbot des Mordens gilt dem Einzelnen wie auch jeder Gemeinschaft und schließt auch den Selbstmord ein. Ein Töten kann nach Jesus schon in Gedanken und mit Worten geschehen (Matthäus 5,21f). Allein die "Obrigkeit" hat nach dem Willen Gottes das Recht und die Pflicht, Menschen notfalls auch unter Gewaltanwendung zu schützen (Römer 13, 4). Individuelle Verteidigung gegen Mord und Terror ist u.U. statthaft.
Ein Selektieren zwischen „wertvollem“ und „nutzlosem“ Leben – z.B. aufgrund vorgeburtlicher Untersuchung (PND =Pränatale Diagnostik) ist uns untersagt. - Eine Abtreibungspraxis, die zuläßt, daß Ungeborene nach erfolgter Beratung bzw. innerhalb einer bestimmten Frist getötet werden dürften, ist ebenso ausgeschlossen wie eine „Sterbehilfe“, die auf Wunsch eines alten oder kranken Menschen zu dessen Tötung berechtigt. - Ausgeschlossen ist darüber hinaus jede Form der Präimplantationsdiagnostik (PID), des Klonens von und des Experimentierens mit Embryonen.


Das Sechste Gebot

(nach anderer Zähltradition 7. Gebot)
Du sollst nicht ehebrechen.
Gott ist der Stifter der Ehe, der bis zum Tod des Partners unauflöslichen Verbindung eines Mannes mit einer Frau. Ehe und Familie, die in Verantwortung vor Gott und vor den Menschen gelebt werden, sind seit der Schöpfung Seine guten Ordnungen. Sie stehen deshalb unter Seinem besonderen Schutz und Segen.
Daraus folgt:
Die Heiligkeit der Ehe ist in Gedanken, Worten und Verhalten zu respektieren, und ihre vom Schöpfer gewollte lebenslange Dauer (Matthäus 5, 27ff) muß erneut erkannt werden. Die heute auch unter Christen um sich greifende Scheidungsbereitschaft ist daher abzulehnen, ebenso auch der fast allgemein akzeptierte außer- und voreheliche Geschlechtsverkehr sowie alle Tendenzen zur Sexualisierung der Gesellschaft. Öffentlich widersprochen werden muß jeder Tendenz, die von der Verfassung geschützte Sonderstellung von Ehe und Familie einzuschränken oder gar zu beseitigen. Dies gilt besonders für eine staatliche und kirchliche Förderung „alternativer“ Partnerschaften, praktizierter Homosexualität, Prostitution und Pornographie.
Ein gesundes Ehe- und Familienleben erfordert bewußte Pflege der Beteiligten sowie moralische und praktische Förderung durch Staat und Kirche. Kinderreiche Familien bedürfen der ausreichenden sozialen Unterstützung, und die - heute leider vielfach verachtete - Stellung der Frau als „nur“ Mutter und Hausfrau verdient eine besondere, hohe Anerkennung. Die rechtliche und finanzielle Benachteiligung von Ehe und Familie führt unausweichlich zur demographischen Katastrophe.


Das Siebente Gebot

(nach anderer Zähltradition 8. Gebot)
Du sollst nicht stehlen.
Gott ist der Geber und Erhalter von Besitz. Das Vorhandensein von persönlichem Eigentum als Leihgabe Gottes wird vorausgesetzt, wenn hier Diebstahl – an Einzelnen wie an der Gemeinschaft - untersagt wird.
Daraus folgt:
Das unbedingte Verbot, andere ihres Eigentums zu berauben, umfaßt jede – auch geistige - Form von Diebstahl. Dazu gehören auch Steuerhinterziehung oder Bestechung.
Für Christen ist es eine selbstverständliche Verpflichtung, mit ihrem persönlichen Eigentum auch das Gemeinwohl zu fördern und die Not bedürftiger Menschen zu lindern.


Das Achte Gebot

(nach anderer Zähltradition 9. Gebot)
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Gott ist wahrhaftig und ein Schützer der Wahrheit. Somit sind auch wir, Seine Ebenbilder, im Umgang mit unseren Mitmenschen zur Wahrheit verpflichtet.
Daraus folgt:
Lügen und übler Nachrede, die der Ehre eines anderen Menschen schaden und das Vertrauen zu ihm vergiften, ist sowohl im öffentlichen Bereich als auch im alltäglichen Umgang von Menschen untereinander nachdrücklich entgegenzutreten.
Dies gilt auch für ein manipulierendes Presse- und Medienverhalten, mit dem Menschen in ein rufschädigendes Licht gesetzt werden. Auf internationaler Ebene ist der Hetzpropaganda zu widerstehen, weil sie den Völkerfrieden gefährdet.


Das Neunte Gebot

(nach anderer Zähltradition zum 10. Gebot gehörend)
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.


Das Zehnte Gebot

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.
Gott, der Vater, sorgt für uns und gibt, was wir zum Leben brauchen. Weil Gott das Leben Seiner Geschöpfe erhält, will Er ihnen auch alles gewähren, was ihnen persönlich zu einem Leben in Seinem Sinne nötig ist.
Daraus folgt:
Wir sollen unseren Mitmenschen neidlos Recht und Freiheit zugestehen, sich mit ihrem Besitz und ihren Gaben in dem ihnen von Gott zugewiesenen Lebensraum zu entfalten. Auch sollen wir ihnen helfen, einen angemessenen Lebensstand zu erreichen. Christen sind als Kinder Gottes von dem Trieb befreit, sich ständig an anderen, deren Besitz, Stand und Macht zu messen.
Eine materialistische Lebensführung schändet den wahren Lebenssinn.


Die bleibende Gültigkeit der göttlichen Gebote

Diese Zehn Gebote sind deshalb verbindlich, weil hinter ihnen der unwandelbare Gott als der in höchster Autorität Gebietende steht. Wer sie mißachtet und nach seinem eigenen Gutdünken lebt, wird sich selbst zerstören und sich vor Gottes Gericht verantworten müssen (2. Mose 20,5; 2. Korinther 5, 10); denn Gott, der Herr, der uns zum Leben bestimmt hat, wird der frevelhaften Außerkraftsetzung Seiner heiligen Gebote nicht untätig zusehen.
Gott hat trotz aller geschichtlichen Wandlungen Seine Weisungen im Blick auf das Leben der Menschen niemals geändert Jakobus 1, 17). Darum dürfen sie unsererseits nicht aufgeweicht oder umgedeutet werden (Jesaja 5, 21f.)..
Weil Er die Liebe ist, schneidet Gott uns Menschen durch Seine Gebote nicht von echter Lebensfreude ab, sondern stellt uns auf Seinen guten Weg.
Auch wenn Menschen unter der Macht der Sünde und Gottesferne dies gar nicht wollen, hebt das die Gültigkeit der Gebote nicht auf. Das gilt gerade auch angesichts der prophetisch vorhergesagten Zeit antichristlicher Gesetzlosigkeit (Matthäus 24, 12; 2. Thessalonicher 2, 10).
Aus Angst, zu kurz zu kommen, werden wir vor Gott und Menschen schuldig und bedürfen immer wieder der Vergebung. Jesus kann und will sie uns schenken; denn er hat die göttliche Bestrafung für unsere Übertretungen stellvertretend erlitten.
In Seiner Nachfolge und durch die Leitung Seines Heiligen Geistes werden wir befähigt zu einem neuen Leben, das in der Liebe zu Gott und zu unseren Nächsten – ja auch unseren Feinden! – besteht.
In dieser Liebe finden die Zehn Gebote ihre gelebte Vollendung.
Indem wir ihre bleibende Gültigkeit durch diese Erklärung nachdrücklich bekräftigen, ermutigen wir alle, die bereit sind, diese Wegweisung des Dreieinigen Gottes zum Leben zu hören, ihr unerschrocken auch zu folgen. Denn einem solchen Leben hat er unermeßlichen Segen zugesagt (2. Mose 20, 6).
Auch uns Heutigen gilt das einst den Erstempfängern der Zehn Gebote Gesagte:
„Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN , eures Gottes, und abweicht von dem Wege, den ich euch heute gebiete ... “ (5. Mose 11, 26-28).
Leiterkreis und Theologischer Konvent der
Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands

Advent 2001


Vertiefende Literatur:

Klaus Bockmühl: Christliche Lebensführung. Ethik der Zehn Gebote, Brunnen Verlag Gießen, 1999, DM 24,80
Hans-Jörg Bräumer: Das Tor zur Freiheit. Die Zehn Gebote für heute ausgelegt. Hänssler Verlag 2000, DM 24,95
Udo Hahn: 10 Gebote. Gütersloher Verlagshaus 2000, DM 9,80
Friedrich Thiele: „Unser Tun und Lassen: Leitfaden in evangelischer Ethik, Neukirchner Verlag 19962
Katechismus der Katholischen Kirche, Oldenbourg-Verlag München 1993, S. 530-640: „Die Zehn Gebote“.
Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit. Orthodoxes Glaubensbuch für erwachsene und heranwachsende Gläubige, hg. v.
Sergius Heitz, Göttingen 1994, S. 154-169.
Georg Huntemann: Biblisches Ethos um Zeichen der Moralrevolution. Hänssler Verlag 1995


Faltblätter des Theologischen Konvents

„Die Heiligkeit der Ehe.“ Biblisch-trinitarisches Zeugnis, 1998.
„Kein anderer Name“. Theologische Erklärung zur Beurteilung der Religionen im Licht des Evangeliums, 1999.
„Spandauer Bußwort: Unser Volk unter Gottes Gericht und Gnade“, 2000.
Christliches Bekenntnis und biblischer Auftrag angesichts des Islam, 1984.
Diese Faltblätter sind wie das vorliegende bei erbetener Kostenbeteiligung auf Spendenbasis zu beziehen vom
Institut Diakrisis, Schulstr. 1, D-72810 Gomaringen, Fax 07072-92 03 44,
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